Die Filterung

In unseren Aquarien fallen durch den Stoffwechsel von Fischen und Pflanzen Abfallprodukte und Schadstoffe an. Ein Gewässer mit genügender Größe besitzt eine Selbstreinigungskraft, die diese Schadstoffe abbaut und in einem biologischen Kreislaufprozess "weiterverarbeitet".
Und hier tritt wieder unser Größenproblem auf: Das Volumen auch noch so großer Aquarien und damit auch die Selbstreinigungskraft ist zu klein und steht auch noch in einem schlechten Verhältnis zum durchschnittlichen Fisch- und Pflanzenbesatz. Die Folge ist, dass wir unser Aquarium mit einer vernünftigen und sinnvollen Filterung unterstützen müssen.

Was muss ein guter Filter alles können?

Die Antwort ist ebenso vielschichtig, wie die im Filter ablaufenden Prozesse:

Wasserbewegung:
Eine Strömung ist sehr wichtig für den Transport des Wassers (und somit der Schadstoffe) zum Filter und trägt wesentlich zum Wohlbefinden von Fischen und Pflanzen, die auf diesem Weg mit Nährstoffen "angeströmt" werden, bei.

Mechanische Filterung:
Viele Trübungen entstehen durch im Wasser treibende Schwebstoffe, die aus so großen Teilchen bestehen, dass ein mechanisch arbeitender Filter diese regelrecht aussieben kann.

Biologische Filterung:
Die schon oben angesprochenen Stoffwechselendprodukte müssen biologisch abgebaut werden. Der größte Teil der in unseren Aquarien auftretenden Trübungen entstehen durch gelöste Stoffe. Eine biologische Filterung sorgt also im wahrsten Sinne für kristallklare Verhältnisse.


Mechanische Filter:
Ein solcher Filter siebt alle groben bis feinen Schmutzpartikel aus dem Wasser, z.B. Pflanzenteile, Kot und Futterreste. Ein mechanischer Filter ist als Vorfilter oder als eigenständiger Filter sinnvoll. Wichtig ist das einfache Wechseln des Filtermaterials, um ausgefiltertes Material aus dem Aquarium zu entfernen, bevor es sich zersetzen und das Wasser belasten kann. Die Durchflussrate eines mechanischen Filters sollte im Süßwasser 2-4 mal, im Meerwasser 5-10 mal betragen.
Natürlich arbeitet ein mechanischer Filter nach einer gewissen Einlaufzeit (s.u.) als biologischer Filter.


Biologischer Filter:

Biologisch heißt dieser Filter deshalb, weil die "Biologie" im Filter für die Reinigung des Wassers sorgt. Millionen von Kleinstlebewesen wie z.B. Amöben etc. ernähren sich von den im Wasser gelösten organischen Stoffen und bauen sie so um oder entfernen sie aus dem Stoffkreislauf. Nur mit Hilfe dieser Mikroorganismen, die auch für die Gewässerreinigung zuständig sind, funktioniert ein biologischer Filter. Bakterien und Kleinstlebewesen finden wir - wie auf allen Flächen in unserem Aquarium, von hier aus wird ein neuer Filter in Besitz genommen. Die Biologie siedelt sich im Inneren des Filters auf dem Filtermaterial an. Das glitschige braune Material in einem eingefahrenen Filter sind nicht die ausgefilterten Stoffe, sondern Massenansammlungen von Bakterien sowie durch die Filterleistung unlöslich gewordene Pflanzennährstoffe. Die im Wasser gelösten organischen Stoffe wie z.B. Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate dienen den Mikroorganismen als Nahrung und werden in Wasser, Kohlendioxid und Nitrat umgewandelt
Warum wird trotz der relativ großen Porenweite eines mechanischen Filters trübes Wasser wieder klar? Die meisten Trübstoffe sind Ansammlungen größerer organischer Moleküle, die von den Mikroorganismen im Filter geknackt und, verdaut werden. Bei diesen Abbauprozessen wird Sauerstoff verbraucht. So kann es vorkommen, dass bei einem großen Filter der Sauerstoffbedarf um ein Vielfaches höher ist, als der von Fischen und Pflanzen zusammen. Durch diesen aerob (mit Sauerstoff) arbeitenden Filter muss das Wasser relativ schnell hindurchfließen, um genügend sauerstoffreiches Wasser anzuliefern.


Rieselfilter:

Der so genannte Rieselfilter arbeitet als "Super-Aerobier". Wasser wird auf das Filtermaterial (häufig Kunststoffkörper) aufgebracht und tropft oder fließt unter ständigem Luftkontakt in ein Sammelbecken, von wo aus es wieder in das Aquarium zurückgepumpt wird. Für die Intensivfischhaltung und Meerwasserbecken hat sich dieser Filtertyp durch sehr gute Abbauleistungen hervorragend bewährt. Bei Pflanzenaquarien tritt bei Rieselfiltern häufig das Problem der starken CO2-Ausgasung auf, erst nach bis zu zwei Jahren Standzeit produzieren die Mikroorganismen im Filter soviel Kohlendioxid, dass nicht mehr ein uneinholbares C02-Defizit entsteht. Das zweite Problem ist der zu hohe Sauerstoffgehalt im Filtermedium, der Pflanzennährstoffe zu rasch aufoxidiert und unlöslich macht.
Durch den guten Luft-Wasser-Kontakt und die starke Verdunstung kommt es zu zwei unerwünschten Nebeneffekten. Das Wasser wird aufgesalzen wodurch der pH-Wert steigt (durch höheren KH-Wert) und es geht viel Wärmeenergie verloren. Da die meisten Aquarien jedoch oben offen mit einer HQI-Hängebeleuchtung betrieben werden, ist der Rieselfilter ein gut geeigneter Filter für Süß- und Seewasseraquarien.


Anaerober Filter:
Eine andere Möglichkeit biologisch zu filtern, ist anaeorb (ohne Sauerstoff) arbeitende Filter. Das Filtermaterial muss hierbei von sauerstoffarmen- oder sogar freiem Wasser umspült werden. Das erreicht man durch einen langsamen Durchfluss, der Sauerstoff ist dann nach wenigen Zentimetern Filterbett aufgebraucht. Der Vorteil eines anaerob arbeitenden Filters ist, dass er die Stoffwechselprodukte vollständig abbaut, z.B. entsteht statt Nitrat (N03), gasförmiger Stickstoff

 

Nach der grauen Theorie kommt nun die Vorstellung der vier Filtertypen.

 

Der Außenfilter:
Wie der Name schon sagt, der Filter befindet sich außerhalb des Aquariums. Über Schläuche wird das Wasser ab- und angepumpt. Der Außenfilter besteht aus einem Filterkopf, der die Pumpe enthält, und einem Filtertopf, hier sind die Filtermaterialien verstaut. Das Wasser wird von der Pumpe im Filterkopf durch die Filtermaterialien im Topf befördert.
Der beliebig in der Nähe des Aquariums zu wählende Standort des Filters ist ein großer Vorteil dieses Filtersystems. Bei genügender Größe des Filtertopfes sind Außenfilter auch für größere Aquarien von bis zu 1500 Litern geeignet. Ein Außenfilter ist auch optisch eine sehr elegante Methode der Filterung, da die im Aquarium, verbleibenden Ansaug- und Ausströmschläuche mit wenig Aufwand zu verbergen sind. Mit sinnvollem und praktischem Zubehör, wie z.B. Schlauchschellen, Absperrhähnen und Schnelltrennkupplungen, wird das Reinigen des Filters nicht zu einer Wasserschlacht.

Filterkammern:
Eine andere Möglichkeit des Filterns außerhalb des Aquariums sind so genannte Filterkammern, die als normale Filter oder Rieselfilter arbeiten können. Über eine Bohrung oder einen Überlauf gelangt das Wasser in die Filterkammer und wird von einer Pumpe, nachdem es die Filtermaterialien passiert hat, wieder in das Aquarium zurückbefördert. Für kleinere Aquarien (max. 60 l) haben sich von Außen an das Aquarium angehängte Außenfilter bewährt. Die Filtermaterialien sind bei diesen "Rucksackfiltern" leicht zu wechseln und Schläuche und Schlauchverbindungen sind nicht vorhanden


Der Innenfilter:
Wiederum waren die Namensgeber treffsicher, der Filter befindet sich tatsächlich im Inneren des Aquariums. Ein Innenfilter besteht ebenfalls aus einer Pumpe und einem Filtertopf, in dem sich die Ansaugöffnungen befinden. Bei der Durchführung des Wassers gibt es verschiedene Möglichkeiten. Einige Modelle arbeiten als rein aerober Filter, andere teilen den Wasserstrom und filtern einen Teil des Wassers aerob, den anderen, kleineren Teil anaerob.
Die Vorteile des Innenfilters sind: Keine Schlauchverbindungen mehr außerhalb des Aquariums und mehr Platz im Unterschrank. Zudem kann ein Innenfilter mit hoher Leistung sehr gut als mechanischer Filter und Strömungserzeuger eingesetzt werden. Von der Filterleistung sind die hier angesprochenen Innenfilter für Aquarien von bis zu 300 Litern geeignet.


Luftbetriebene Filtersysteme:
Die oben beschriebenen Filtertypen werden sämtlich über Kreiselpumpen betrieben die im Verhältnis zu Förder- und Filterleistung relativ viel Strom (5-30 Watt) verbrauchen.
Ein luftbebetriebener Filter wird über eine Membranpumpe betrieben, die mit ca. 5-8 Watt Stromaufnahme deutlich günstiger ist. Das "Wasserbewegungsprinzip" ist bei allen luftbetriebenen Filtern gleich: In ein senkrecht stehendes Rohr wird unten Luft eingeleitet. Die Luftblasen eilen zur Wasseroberfläche und reißen dabei Wasser mit. Ein Durchfluss durch das Filtermaterial kommt zustande. Durch die Luftblasen wird das Wasser optimal mit Sauerstoff angereichert, die Mikroorganismen haben hervorragende Lebensbedingungen und können voll biologisch arbeiten.

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